Gott kennen lernen
Wachst aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus!Ihm gehört alle Herrlichkeit und Ehre, jetzt und in Ewigkeit ! Amen. 2. Petrus, 3,18
Manchmal höre ich in Gottesdiensten Zeugnisse oder lese in Büchern die Lebengeschichten von Menschen, die mir fast den Atem verschlagen. Das klingt dann ungefähr so: „Bevor ich Gott kennen lernte, hab ich Banken ausgeraubt, Drogen genommen und war jeden Tag mit einer anderen im Bett. Aber dann wurde ich Christ, und hab ab da nur noch Tee getrunken, in einem Monat die Bibel durchgelesen, 5000 Leute in der letzten Woche zu Jesus geführt und auch schon ein paar Krebskranke geheilt.“
Meine Erfahrung ist eigentlich eine ganz andere. Mit Jesus zu leben, bedeutet einen Weg zu gehen. Einen Weg in eine neue Richtung, nicht mehr in die Richtung Zerstörung, Krankheit, Einsamkeit, Verlorenheit, Hölle. Sondern in die Richtung Heilung, Gemeinschaft mit Gott, Sinn, Freude, Himmel. Dieser Weg ist kein Flug. Dieser Weg ist etwas tägliches, er geht jeden Tag neu los, er findet jede Stunde statt, ja manchmal muss ich mich sogar jede Minute neu dafür entscheiden in Gottes Richtung zu gehen. Jesus ist losgezogen und hat zu den Leuten gesagt: „Komm, folge mir nach!“ „Geh mir hinterher!“
Ich habe diesen Ruf mit 19 Jahren das erste Mal gehört. Zu dieser Zeit ging es mir sehr schlecht. Ich steckte in Problemen. Meine Schwester erzählte mir dann von diesem Jesus, und dass man mit dem auch reden kann und dass er wirklich hilft, wenn man zu ihm betet. Also hab ich damit angefangen, mit ihm zu reden, hab angefangen, auf ihn zu hören, ihm zu folgen, ihn kennen zu lernen, Tag für Tag. Meine Motive waren dafür eigentlich höchst unheilig. Es war im Grunde reiner Egoismus, der mich dazu trieb. Ich brauchte Hilfe, und wenn Jesus mir helfen kann, dann sollte es von mir aus auch dieser Jesus sein. Wer dieser Gott eigentlich ist, wie sein Charakter aussieht, was er gut findet und was nicht, davon hatte ich ehrlich gesagt überhaupt keinen blassen Schimmer. Und ich vermute, das ist genau das letzte Abenteuer, was man auf dieser Erde noch erleben kann, Gott kennen zu lernen.
Ich glaube, dass sich viele Mensch die Frage stellen: Wie ist Gott eigentlich? Wie ist er drauf? Wie ist sein Charakter? Es gibt einfach sehr viele Gerüchte über Gott in dieser Welt.
Wenn ich mir die Predigten von Jesus so anschaue, hab ich oft das Gefühl, er war manchmal richtig wütend über die seltsamen Vorstellungen, die die Menschen von seinem Vater hatten. Er ist losgezogen, um ihnen klar zu machen: „Nein, so ist Gott nicht! Er ist anders!“
Auf diesen Weg mit Gott werde ich bestimmt noch einige Abenteuer mit ihm erleben können. Aber das größte Abenteuer wird sein, Gott immer besser kennen zu lernen. Ich möchte wissen, wie er denkt und was er fühlt. Ich will auch wissen, was er gut findet, worüber er sich freut. Ich bin davon überzeugt, dass es immer neue, andere Seiten geben wird, die ich an Gott entdecken werde. „Huch Gott, so bist du drauf? Das hätte ich nicht erwartet!“ Und bestimmt werde ich auf meinem Weg mit Jesus auch noch mit 80 Jahren etwas ganz Neues an Gottes Charakter entdecken, etwas was ich vorher noch nie wirklich bemerkt hatte. Da freu ich mich schon drauf.

