Zeugnis Marcus

Gott ist tot - das glaubte ich zumindest nach meiner Konfirmation. Denn wenn ich in einen kirchlichen Gottesdienst schaute, fand ich dort nur Leute vor, die mit ihren finsteren Mienen anscheinend um seinen Tod trauerten. Die Welt ist schon traurig genug, da muß ich mir nicht auch noch den Rest des Leides in der Kirche abholen.

Und so kam es, daß ich so ca. ab meinem 16. Lebensjahr langsam aber sicher dem "wahren" Leben näherte: Tolle Parties, bei denen es so genug zu saufen gab, daß ich fast jedes mal kotzen mußte. Eineinhalb Jahre lang hatte ich auch noch eine Freundin, zu der Beziehung seit dem ersten Mal jedoch immer mehr auf Sex basierte. Das Ende der Beziehung kam dann auch wie ein Schlag ins Gesicht, wodurch es mich in der Folgezeit heftigst nach unten riß. Doch die Rettung nahte. Es war die Wunderdroge Haschisch/Marihuana, die dir wirklich alles scheißegal werden läßt und die man irgendwann eigentlich nur noch nimmt um sie zu nehmen (aber is ja auch scheißegal).

So vegetierte ich also vor mich hin, was ja auch alles schön und gut wäre, wenn da nicht irgend etwas in mir gewesen wäre, das irgendwie wußte, daß das nicht alles sein konnte, und so machte ich mich bewußt und/oder unbewußt (?) auf die Suche nach dem Glück. Ich versuchte es über körperliche Fitneß (sprich : Sport), gesunde Ernährung (Körnerfraß & Vegetarismus), keine Ernährung (sprich: fasten), linke Theorien (Marx & Engels) und was weiß ich noch, was ich noch alles ausprobierte bzw. mir versuchte, geistig einzuverleiben. Doch eines war bei allem gleich: Irgendwas fehlte. Nur was???

Im Sommer´97, d. h. , mit über 21 Jahren, erhielt ich endlich die Antwort. Auf einer Zivildienstschulung lernte ich einen Zivikollegen kennen, der meiner Meinung nach eigentlich recht cool drauf war. Als wir einmal im Schwimmbad lagen, packte er auf einmal eine Bibel aus. Die anderen guckten "etwas irritiert", doch auf mich machte das ganze irgendwie einen starken Eindruck. So dachte ich mir: "Eigentlich traut der sich ganz schön was, schließlich muß er ja davon ausgehen, daß die Leute über ihn lachen, ganz nach dem Motto: wer glaubt denn heute noch an Gott, geschweige denn an die Bibel? Wir sind doch mittlerweile alle aufklärte Menschen!" Des öfteren unterhielten wir uns die Tage noch über Gott und den Glauben, doch dann war die Woche auch schon rum.

Auf der Rückfahrt guckte ich mir die Welt an und stellte mir vor, daß da draußen tatsächlich alles von Gott kommt und Gott tatsächlich existiert. Langsam merkte ich, wie mich ein unbeschreibliches Gefühl der Glückseligkeit wie eine Art Feuer übermannte. Einen Tag später übergab ich Jesus zum ersten mal mein Leben. Von jetzt auf gleich konnte ich Zigaretten, Alkohol und Hasch zur Seite legen und hatte auch kein Bedürfnis mehr danach. Doch da ich mich zu sehr an dieses schöne Gefühl klammerte, das nach einigen Tagen immer schwächer wurde, ich keine Gemeinde hatte und mir auch keine suchen wollte, war die Sache mit Gott nach ca. 6 Wochen wieder halbwegs vergessen und ich kehrte zu meinem alten Leben im Sumpf des Unglücklichseins zurück.

Noch zu der Zeit des Verbundenseins mit Gott setzte der Herr (?) mir Folgendes in den Kopf: "Zieh hinaus wie die Jünger. Ich werde dich führen. " Da ich zu der Zeit noch Zivi war, konnte ich nur antworten, er solle mir ein Jahr später Bescheid geben, dann wär's o. k. (hähä).

Nachdem ich mich im darauffolgenden Jahr viel mit der Lehre Buddhas und anderer "Meister" beschäftigt hatte und so zur Meditation gelangte, zog es mich ein Jahr später tatsächlich hinaus. Doch einfach ziellos in der Gegend herumzuspazieren und zu meditieren hatte ich doch ein bißchen zu viel Schiß. Also gab mir ein Freund den Tip, auf einem Pilgerpfad Richtung Spanien zu wandern. Nach etlichen Verzögerungen und Versuchen, doch noch eine Ausrede zu finden um nicht losziehen zu müssen, drängte es mich im September 98 dann doch hinaus in die weite Welt. Auf mir lastete schweres Heimweh, denn ich hatte nicht nur meine Familie und Freunde auf unbestimmte Zeit verlassen, sondern auch eine Frau, die ich sehr liebte und sie mich auch. Ebenso lebte in mir auch die Ungewißheit und Angst, wie es weitergehen sollte.

Wie der "Zufall" es wollte, führte mich dieser Weg nach Rothenburg o. d. T. , in dem rein "zufällig" die Gemeinde des jungen Christen (vor einem Jahr in der Zivildienstschule ) ihren Sitz hatte. Irgendwas bewog mich dazu, einige Tage in der Stadt zu bleiben. Als nun am Freitag die Teestube der Gemeinde öffnete, spazierte ich mal rein, fand den Typen aber nicht. Dennoch blieb ich noch gute 4 Stunden dort sitzen. Überall waren Poster und Plakate, auf denen geschrieben stand: "Jesus lebt!" "Jesus Liebt Dich!" etc. Beim Lesen dieser Worte spürte ich eine eigenartige Ruhe und Wärme, die mein Herz immer mehr umhüllte. Spät am Abend sprach mich noch einer aus der Gemeinde an und ich erzählte ihm, daß ich unterwegs nach Spanien wäre, um die Erleuchtung zu finden. So kamen wir über den Glauben und meine selbstgebastelten Weltanschauungstheorien ins Gespräch. Er behauptete einfach felsenfest, Jesus sei der einzig wahre Weg, der zum Leben führt bzw. das Leben ist. Langsam fing mein Hirn an zu rattern, bis in dem Chaos meiner Gedanken plötzlich irgend jemand das Licht einschaltete. Mir wurde wieder bewußt, daß die einzige Zeit in meinem Leben, in der ich wirklich glücklich war, die war, in der ich schon einmal an Gott glauben durfte. Fassungslos saß ich da. Das einzige, was ich sagen konnte, war: "Das gibt's doch nicht! "Aber doch - das gab´s, gibt's und wird es immer geben: JESUS CHRISTUS LEBT! ! ! Halleluja!

Einen Tag später übergab ich ihm das zweite mal mein Leben bzw. bestätigte das erste mal. Den ganzen Tag lief ich alleine mit einem 7x7 Meter breitem Grinsen durch die Stadt und war vollkommen erfüllt von Gottes grenzenloser Liebe. Jeden, der mir auf den Straßen entgegenkam, hätte ich am liebsten umarmt und gesagt: "Jesus liebt Dich! "

Am Abend ging ich nochmals in die Teestube, traf dort auch noch den Zivikollegen, was meine Freude dann noch komplett machte. Außerdem fiel mir an dem Abend ein Schild auf: Es war ein Pfeil nach oben, worauf "Why Not" (so auch der Name der Teestube) geschrieben stand. Diese zwei Worte nahmen mir auch noch die restlichen Zweifel und Ängste. Denn was hatte ich zu verlieren, außer eben diese Ängste und Zweifel, die Last des Unglücklichseins und das Gefühl der Leere in mir. Ich wußte, daß ich dadurch nur gewinnen konnte. Ja, durch Jesus konnte ich endlich frei, glücklich und geliebt sein, so wie ich bin, und leben, anstatt vor ihm davonzulaufen.

Nun ging meine Reise erst richtig los. Nachdem ich nun den Ballast des Heimwehs und aller anderen Sorgen abgelegt hatte, zog ich freudestrahlend weiter meines Weges. Zwei Tage nach meiner Weiterreise ging ich einen Feldweg entlang, der sich schließlich als Sackgasse entpuppte. Nichts war in der Nähe - außer der Landstraße. In diesem Augenblick kam mir in den Kopf, was ich dort vor einem Jahr schon mal hatte: "Zieh hinaus wie die Jünger. Ich werde dich führen. " Der zweite Satz war es, der mich mein Ziel Spanien nun endgültig über Bord werfen ließ. Also gab es nur eins: Rauf auf die Straße, Daumen raus und warten. Der ganze Spaß dauerte nicht länger als 5 Minuten:

Auto hält an - er fragt: "Wohin? " - ich: "Wohin Gott mich führt" - er: schaut verdutzt - ich-: schon im Auto drin - los geht's - unterhalten uns über Gott und die Welt - er nimmt eigentlich keine Anhalter mit - ich trampe eigentlich nicht - er lädt mich zum Essen ein - ich kann dort pennen - er spendiert mir noch ein Frühstück im Café - Welt steht für mich kopf.

So ging´s nun auch weiter. Meistens hielt ich den Daumen raus - Autos hielten - manchmal früher, manchmal später - stieg ein - erzählte von Gott - beim einen mehr, beim andern weniger, je nachdem, was jeder vertrug und wie offen die Leute auch dafür waren. In der Nacht darauf stand ich dann an der Raststätte Limburg. Es regnete nicht nur, es goß in Strömen. Außerdem war es schon sehr spät und ich war hundemüde. Doch: keine Übernachtungsmöglichkeit. Also betete ich: "Oh Herr, bitte zeig mir ein trockenes überdachtes Plätzchen oder laß es zu regnen aufhören. Amen. " So ging ich raus aus der Raststätte, um nach einem geeigneten Platz Ausschau zu halten. Kein Tropfen fiel mehr vom Himmel. Und nicht nur das: in einem Radius von ich weiß nicht wie vielen Kilometern war die Wolkendecke auseinandergebrochen, so daß man den klaren Sternenhimmel sehen konnte. Die Nacht war wirklich ruhig und vor allem trocken. Halleluja!

Mit einem kleinen Umweg über Stuttgart stand ich dann zwei Tage später mit pitschnassem Schlafsack (der hätte mich keine Nacht mehr warmgehalten) und sonstigem Gepäck Lobpreis singend am Straßenrand in der Nähe von Münster, als ein Kleinbus mit einem älteren Ehepaar anhielt. Ich stieg "Heilig- Geist- berauscht" ein und erzählte wie ein Wasserfall die Wahrheit von Gott und der Welt. Die Leute, angesteckt von meiner Freude, waren sehr hilfsbereit und gaben mir den Tip, daß ich in einem Krankenhaus leicht mal was Warmes zu essen bekommen könnte. Ich geh hin - schon zu spät fürs Essen - stell mich wieder an die Straße - fährt der Bus von eben vorbei - Mann hält wieder an - er: "Komm steig ein, jetzt kommste erstmal mit zu uns! " - darf dort übernachten (in`nem dicken Haus) - kann mein Zeugs dort trocknen - Halleluja!

So verschlug es mich dann auch noch über Hannover nach Bielefeld (5 Tage Aufenthalt bei den Jesus Freaks), von da aus wieder nach Hannover - Dresden - Plauen - schließlich stand ich mit 1,70 DM in der Tasche an der Autobahn bei Hof. Richte mich auf die Rückkehr nach Nürnberg ein - Typ hält an - ich erzähl von Gott - er hält voll kraß dagegen - er sucht Leute für deutsch- tschechischen Jugendaustausch - kostet 80, - DM - ich: "Sorry, geht nicht, hab ich nicht" - er: "wart mal" - fährt in Bayreuth zum Telefonieren - er: "Geht klar. Wenn Du heute noch nach Regensburg kommst, wird dir das ganze gesponsert" - ca. 3 Stunden später bin ich in Regensburg - kriege Übernachtungsmöglichkeit. Noch am Abend stellt sich jedoch heraus, daß die Finanzierung doch nicht funktioniert. Ich: "Naja, macht nix, fahr ich halt morgen heim. " - er: "Tut mir jetzt so leid" - ich: "is egal" - er: "hier haste nen Zehner" - ich: "Halleluja! "

Von da aus ging`s weiter fast bis nach Köln, dann über Frankfurt nach Bensheim. Ich sitz im Auto eines jungen Typen, so um die 23 und überbringe ihm die Gute Nachricht. Er ist so beeindruckt, daß er mir zum Schluß noch einen Zehner in die Hand drückt und ich nur noch staunend dastehe und mir denke: "Oh Herr, was machst Du mit mir? " Heute weiß ich es: wer einfach nur gibt, wie in dem Fall die frohe Kunde daß Jesus lebt, ohne zu erwarten, daß er etwas dafür erhält, der wird früher oder später erhalten, und zwar mehr als genug. Und auch über den Zehner an sich hab ich mich nicht so sehr gefreut als vielmehr über das, was dieser Zehner zu bedeuten hatte: die Dankbarkeit eines Menschen, der in der Trost/Gottlosigkeit der Welt gefangen ist (oder war? ) und dem ich ein kleines Fünkchen Hoffnung bringen durfte.

Und so lernte ich auf dem Weg kreuz und quer durch Deutschland noch etliche Menschen kennen, von denen viele noch auf der Suche nach der Wahrheit, nach Gott, nach Jesus waren, denen der Herr vielleicht durch mich ein Stückchen näher kommen konnte, auch wenn es für mich auf den ersten Blick gar nicht so den Anschein machte.

Dies war wohl eine wunderschöne Zeit, doch auch jetzt, da ich wieder zu Hause bin und versuche, gemeinsam mit unsern Herrn Jesus Christus die Probleme des Alltags zu bewältigen und dabei auf ihn zu sehen, weiß ich: Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, und es kommt wirklich keiner zum Vater denn durch ihn. Deshalb freue ich mich auch hier jedesmal, wenn ich jemand von ihm erzählen darf und versuchen darf, ihm ständig nachzuleben, um immer vollkommener zu werden in der liebe zu Ihm und meinem Nächsten.

Halleluja! AMEN! !